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Samuel Hahnemann Krankenjournal D38

Krankenjournal D38 (1833-1835). Transkription und Kommentar
von Monika Papsch.
K.F. Haug-Verlag: Heidelberg 2007, 2 Bde., 330 Seiten + 164 Seiten.
ISBN 978-3-8304-0355-5 (Gesamtwerk)
ISBN 978-3-8304-7265-0 (Band 38 K)


Einleitung

Mit dieser Transkription ist zeitnah zum ‚Jahr der Homöopathie‘ bzw. anläßlich Hahnemanns 250. Geburtstags erneut eines seiner Krankentagebücher der interessierten Öffentlichkeit und der Homöopathiegeschichtsforschung zugänglich gemacht worden. Es besteht nun die Möglichkeit, Kasuistiken aus Hahnemanns ‚Spätzeit‘ zu studieren und den ‚theoretischen Überbau‘ der Praxis gegenüber zu stellen. Gegebenenfalls ist durch die Einsicht in die praktische Tätigkeit eine leichtere Rezeption der komplexen homöopathischen Theorie möglich.

Das 38. Krankenjournal, welches sich im Besitz des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart befindet, ist ein marmorierter Pappband mit Schweinslederrücken und trägt die Signatur D 38. Das Format des Papierblocks beträgt ca. 17 x 20 x 5 cm. Mit Einband ist es entsprechend größer. Das Papier ist leicht vergilbt und teilweise durch Tintenflecke unleserlich geworden. Im allgemeinen ist es in gutem Zustand. Das Journal enthält 742 Seiten, wovon aber nur etwas mehr als ein Viertel beschrieben ist. Nach dem Eigentümervermerk auf der Umschlaginnenseite ist ein Blatt herausgeschnitten. Die von Hahnemann nachträglich angebrachte Paginierung erfolgte oben rechts auf der Journalseite, rechtsseitig, fortlaufend mit ungeraden Zahlen. Bedauerlicherweise wurden einige Journalseiten, die unter anderem die Krankengeschichte von Mélanie d’Hervilly-Gohier beinhalteten, wahrscheinlich aus Gründen der Diskretion von ihr selbst oder ihrer Familie entfernt. Das erste fehlende Blatt befand sich zwischen den Originalseiten (OS) 135/136 und enthielt die Erstkonsultation von Mélanie d‘Hervilly-Gohier vom 8. Oktober 1834. Zwischen OS 136/137 ist gleich wieder ein Blatt herausgerissen. Das dritte entfernte Blatt befand sich zwischen OS 138/139. Nach OS 144 folgt ein Blatt, dessen oberes Drittel abgerissen wurde und welches bei der nachträglichen Paginierung übersehen wurde. In der Transkription wurde dafür willkürlich OS 144a und für die Rückseite 144b gezählt. Nach diesem ‚Torso‘ fehlt erneut ein Journalblatt. Das letzte extrahierte Blatt befand sich zwischen OS 152/153. Die Paginierung erfolgte nur bis OS 195. Danach schließen sich 266 leere Blätter bzw. 533 Leerseiten an. In der Transkription wurden die beschriebenen Seiten ab 730 weitergezählt bis 742.

Das Journal enthält überwiegend die Praxisaufzeichnungen aus der Zeit vom 28. November 1833 bis 17. Mai 1835. Hahnemann schrieb durchgehend mit Tinte in deutscher Kurrentschrift. Die lateinische Schrift gebrauchte er für medizinische Termini, Patientennamen und teilweise für Arzneimittelabkürzungen. Diese Schriften wurden in der Transkription nicht differenziert. Die Schrifthöhe bewegt sich zwischen 1 und 5 mm, je nachdem ob es sich um Worte mit Ober- und Unterlängen handelt. Die Bedeutungen der von Hahnemann benutzen, der Alchemie entstammenden, traditionellen Apothekerzeichen wurden anhand seines Apothekerlexikons aufgelöst und die entsprechenden Arzneimittelbezeichnungen meistens mit den Arzneimittelabkürzungen eines heute international von Homöopathen verwendeten Repertoriums in eckigen Klammern dargestellt. Einige Pharmaka wurden, um eine zeitgemäßere Darstellung zu erhalten, mit den vormals üblichen verwendeten Bezeichnungen wiedergegeben, wie z. B. „nitr“ für „Nitrum“ statt „kali-n.“ nach Synthesis. Die gewählte Wiedergabe trägt dem Charakter der Originalaufzeichnungen stärker Rechnung.

Einzelne Einträge stammen von verschiedenen, bisher noch nicht identifizierten Schreibern. Einige mögliche ‚Urheber‘ konnten jedoch durch Schriftvergleich mit erhalten gebliebenen Briefen ausgeschlossen werden (vgl. hierzu Kommentarband). Die Fremdeinträge sind gemäß den neueren Editionsrichtlinien kursiv dargestellt. Zwei dieser fremden Schriften waren extrem schwer zu dechiffrieren.

Kleine Zeichnungen und Skizzen, die beispielsweise das Ausmaß von Geschwüren darstellen, werden jeweils in einer Fußnote beschrieben.

Verschliffene Wortenden von Verben, wie zum Beispiel „gehn“ statt „gehen“, wurden originalgetreu wiedergegeben. Teilweise wurden Wortenden wie „-lich“ etc., die Hahnemann nur durch einen Bogenverlauf darstellte, der besseren Lesbarkeit halber aufgelöst und in eckige Klammern gesetzt. Auch die unregelmäßige Orthographie, vor allem im Hinblick auf die veränderte Groß- und Kleinschreibung seiner Zeit, wurde entsprechend beibehalten, desgleichen die unterschiedlichen Schreibvarianten gleicher Patientennamen.

Bei gleichen untereinanderstehenden Wortlauten zog Hahnemann oft Linien, um sich eine Wortwiederholung zu ersparen. Dies wurde in der Transkription mit einer gestrichelten Linie dargestellt, die in etwa der Länge der zu ersetzenden Wörter entspricht.

Im Anschluß an die Transkription wurde ein Patienten- bzw. Personenregister aller im Text vorkommenden Namen beigefügt. Die Seitenhinweise beziehen sich dabei auf die Originalpaginierung. Bei den kursiv gesetzten Namen handelt es sich um Ergänzungen der Bearbeiterin, da Hahnemann beispielsweise nur den Vornamen vermerkt hatte, in einigen wenigen Fällen um Namenseinträge von fremden Schreibern (s. o.). Die Patientennamen sind meist fett gedruckt; im Normaldruck erscheinen andere im Text erwähnte Personen, wie vor- und mitbehandelnde Ärzte oder Arbeitgeber und Dienstherren.

Monika Papsch