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Die „alte Medizin“

Im 18. Jahrhundert war das Wissen über den menschlichen Körper sehr gering. Zwar hatte William Harvey (1578 –1657) schon den Blutkreislauf entdeckt. Stoffwechselprozesse, Bakterien oder Hormone waren aber noch nicht bekannt.

Nach der Vier-Säfte-Lehre hielt man Krankheit für ein Missverhältnis von Blut, Schleim, Schwarzer und Gelber Galle, das mit Hilfe von Aderlässen, Abführ- und Brechmitteln wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden sollte.

Die ärztliche Therapie basierte meist auf theoretischen Heilungsmodellen. Man verordnete oft Arzneigemische und giftige Stoffe wie Arsen und Quecksilber in hohen Mengen. In Abgrenzung zu dieser Praxis trugen die stark verdünnten, genau bemessenen Dosen Hahnemanns viel zur Attraktivität der Homöopathie bei.
Die Vier-Säfte-Lehre
Die Vier-Säfte-Lehre bildete die Grundlage der medizinischen Therapie von der Antike bis in die Neuzeit. Der Begründer dieser auch Humoralpathologie genannten Lehre war der griechische Arzt Hippokrates (ca. 460 – 370 v. Chr.). Er definierte Krankheit als die schlechte Mischung der Körpersäfte (Blut, Schleim, Schwarze und Gelbe Galle), die auch durch die ungünstige Beschaffenheit von Luft, Wasser und Boden entstehen kann.

Die Entleerung des Körpers war deshalb über Jahrhunderte zentral. Die Kranken mussten sich auszehrenden Aderlässen, Einläufen mit Klistieren und Brechkuren unterziehen.

Erst die von Rudolf Virchow (1821 – 1902) entwickelte Zellularpathologie, die die Entstehung der Krankheiten aus Veränderungen in den Zellen erklärte, löste die Vier-Säfte-Lehre ab.
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Die medizinische Versorgung: Ärzte, Bader, Laienheiler
Die medizinische Versorgung war im 18. Jahrhundert auf andere Berufsgruppen verteilt als heute. Studierte Ärzte waren eine kleine Minderheit. Bader und Wundärzte trugen die Hauptlast der medizinischen Versorgung. Die Bader therapierten vorwiegend mit Aderlassen und Schröpfen. Die Wundärzte nahmen chirurgische Eingriffe bis hin zu Amputationen vor. Beide Berufe galten als Handwerk. Man erlernte es bei einem Meister.

Daneben gab es viele Laienheiler, die aufgrund ihrer Kenntnisse über die Heilkraft von Pflanzen und anderen Wirkstoffen alle Bevölkerungsschichten medizinisch versorgten.

Auch noch im 18. Jahrhundert boten Wunderheiler, Zahnausreißer und Brillenverkäufer ihre Waren und Dienstleistungen auf Jahrmärkten an.
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Die medizinische Ausbildung der Ärzte im 18. Jahrhundert
Über Jahrhunderte wurde an den Universitäten das medizinische Wissen fast ausschließlich aus Büchern vermittelt. Für anatomische Studien benutzte man Puppen, Klapptafeln oder Wachsmodelle. Nur selten wurden in Hörsälen Leichen seziert. Die Kenntnisse des menschlichen Körpers waren gering. Der Unterricht am Krankenbett bildete die Ausnahme.

Im 18. Jahrhundert begann man an einigen Universitäten die medizinische Ausbildung zu reformieren. Ziel war die Überprüfung und Erweiterung des theoretischen Wissens durch ärztlichen Unterricht am Krankenbett. Zu den Reformern gehörte auch Joseph von Quarin (1733 – 1814), der Lehrer Samuel Hahnemanns in Wien. Hahnemann urteilte später über seine kurze Wiener Studienzeit, er habe Quarin zu verdanken, was als Arzt aus ihm geworden sei.
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