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Samuel Hahnemann und die Anfänge der Homöopathie

Als junger Arzt erlebte Samuel Hahnemann immer wieder, wie wenig er mit seinem erlernten Wissen ausrichten konnte. Enttäuscht zog er sich zunächst aus der ärztlichen Praxis zurück und machte sich in den kommenden Jahren einen Namen als Übersetzer und medizinischer Schriftsteller.

Bei der Übersetzung von William Cullens Materia Medica (Arzneimittellehre) im Jahr 1790 stieß er auf das Simile-Prinzip, das er 1796 erstmals im „Journal der practischen Arzneykunde“ veröffentlichte. Mit der Ähnlichkeitsregel glaubte Hahnemann die Grundlage einer wirksamen Therapieform gefunden zu haben, nach der er viele Jahre gesucht hatte.

In den folgenden Jahrzehnten erforschte er akribisch die Wirkungen von Arzneistoffen. Die Ergebnisse seiner Beobachtungen veröffentlichte er im „Organon der rationellen Heilkunde“ (1810), bis heute das Grundlagenwerk für jeden Homöopathen.

Während der großen Cholera-Epidemie in Europa (1830 – 1832) wurden durch homöopathische Behandlung wesentlich mehr Erkrankte gerettet als durch andere Methoden. Dieser große Erfolg überzeugte viele Menschen von der neuen Heilkunde.
Samuel Hahnemann: Leben und Werk
1755
Geboren in Meißen am 10. April als Sohn des Porzellanmalers Christian Gottfried Hahnemann und der Johanna Christiane geb. Spieß

1775 – 1777
Studium der Medizin in Leipzig

1777
Fortsetzung seiner Studien in Wien und erste praktische Tätigkeit

1779
Promotion in Erlangen

1780
Eröffnung der ersten Praxis in Hettstedt (unweit von Halle / Saale)

1782
Heirat mit Henriette Küchler in Dessau

1783 – 1785
Amtsarzt in Gommern (bei Magdeburg)

1785 – 1789
Übersiedlung nach Dresden und Eröffnung einer Praxis; Tätigkeit als Gerichtsmediziner und an Dresdner städtischen Krankenhäusern; zunehmende Unzufriedenheit mit der herkömmlichen Medizin und zeitweilige Aufgabe seiner Praxis; Übersetzung von französischen und englischen medizinischen und pharmazeutischen Schriften; eigene wissenschaftliche Publikationen

1789 – 1790
Übersiedlung nach Leipzig, dann Stötteritz bei Leipzig; Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit; Übersetzung der Materia Medica des schottischen Arztes William Cullen und Selbstversuch mit der Chinarinde

1792
Übersiedlung nach Gotha, dann Georgenthal; Behandlung des psychisch kranken Kanzleirats Klockenbring

1793 – 1796
Wohnorte: Molschleben, Göttingen, Pyrmont, Wolfenbüttel, Braunschweig

1796
Hahnemann formuliert den zentralen Gedanken der homöopathischen Lehre: similia similibus curentur („Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“)

1796 – 1805
Wohnorte: Königslutter, Altona, Hamburg, Mölln, Machern, Eilenburg, Schildau

1805 – 1811
Medizinische Praxis in Torgau

1807 Hahnemann nennt seine Heilmethode erstmals Homöopathie

1810
Publikation des „Organon“

1811 – 1821
Übersiedlung nach Leipzig; Habilitation und Lehrtätigkeit; Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Arzneimittelprüfungen mit seinen Schülern

1820
Klage der Leipziger Apotheker gegen Hahnemann wegen des Selbstdispensierens (eigene Zubereitung und Abgabe) von Arzneimitteln; Fürst Karl Philipp von Schwarzenberg wird Patient bei Hahnemann

1821
Übersiedlung nach Köthen; Eröffnung einer Praxis mit Selbstdispensierrecht

1822
Ernennung Samuel Hahnemanns zum Hofrat durch Herzog Ferdinand von Köthen

1829
Fünfzigjähriges Doktorjubiläum; Gründung des „Vereins zur Beförderung und Ausbildung der homöopathischen Heilkunst“; Geldsammlung für das homöopathische Krankenhaus in Leipzig

1830
Tod Henriette Hahnemanns

1835
Heirat mit der 45 Jahre jüngeren französischen Malerin Mélanie d’Hervilly-Gohier; Umzug nach Paris und Eröffnung einer gemeinsamen homöopathischen Praxis, die in ganz Europa berühmt wird

1843
Tod Hahnemanns und Beisetzung auf dem Friedhof Montmartre
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Der Zentralverein homöopathischer Ärzte
Im Jahre 1829 wurde anlässlich von Samuel Hahnemanns fünfzigjährigem Doktorjubiläum in Köthen der „Verein zur Beförderung und Ausbildung der homöopathischen Heilkunst“ gegründet, der sich von 1832 an „Homöopathischer Zentralverein“ nannte. Er war im Streit um die Hahnemannsche Lehre, beispielsweise um die Hochpotenzen, heftigen Zerreißproben ausgesetzt und besteht als „Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte“ bis heute.

Die 1832 von dem Hahnemann-Schüler Friedrich Rummel gegründete Zeitschrift „Allgemeine Homöopathische Zeitung“ diente dem Zentralverein als internes Diskussionsforum. Sie blickte 2007 auf ihr 175-jähriges Bestehen zurück.

1833 und 1888 gründete der Verein in Leipzig eine Lehr- und Heilanstalt. Beide Male musste sie aus finanziellen Gründen und wegen Streitigkeiten innerhalb der Ärzteschaft nach kurzer Zeit wieder geschlossen werden. Von 1842 an unterhielt der Verein in Leipzig eine homöopathische Poliklinik, die bis zu ihrer Kriegszerstörung 1943 bestand.
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Tierhomöopathie
Tiere hatten vor der Erfindung von Kraftfahrzeugen und Traktoren in Landwirtschaft und Verkehr eine viel höhere Bedeutung als heute. 1815 verfasste der Coburger Hofapotheker Donauer die erste tierhomöopathische Schrift: „Vorschläge zur zweckmäßigern Behandlung kranker Hunde“. 1829 sprach Samuel Hahnemann vor Landwirten und Tierärzten über Homöopathie in der Tierheilkunde. Dabei forderte er die genaue Beobachtung des kranken Tieres und die sorgfältige Erforschung und Kenntnis der Arzneimittel.

Im 19. Jahrhundert war es den Tierärzten nicht überall erlaubt, Tiere homöopathisch zu behandeln, da diese Therapiemethode noch immer umstritten war. Ende des Jahrhunderts ließ das Interesse an der Tierhomöopathie nach und setzte erst in den 1920er Jahren wieder ein. Heute wird infolge der wachsenden Nachfrage auch die Homöopathie in der Veterinärmedizin wieder stärker angewendet.
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Berühmte Patienten
Nach Veröffentlichung des „Organon der rationellen Heilkunde“ (1810) rückte die Homöopathie immer stärker in das öffentliche Interesse. Als 1820 der Feldmarschall Fürst Schwarzenberg, Sieger der Völkerschlacht bei Leipzig, Patient bei Hahnemann wurde, war die Homöopathie Tagesgespräch.

Auch Kaspar Hauser wurde homöopathisch behandelt. Sein Ansbacher Arzt Paul Preu korrespondierte mit Hahnemann. Die homöopathische Behandlung berühmter Patienten weckt seit Hahnemann die Neugier auf diese Heilmethode.
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Die Cholera und die Erfolge der Homöopathie
Anfang 1817 war in Indien die Cholera ausgebrochen und breitete sich unaufhaltsam nach Europa aus. 1830 hatte sie Moskau erreicht, 1831 Berlin.

Manche ratlose Ärzte ließen die ohnehin geschwächten Patienten sogar vermehrt zur Ader. Man verabreichte den Kranken meist große Mengen Quecksilber und Opium und verbot ihnen das Trinken.

Hahnemann selbst behandelte keine Cholera-Patienten, da die Region um Köthen von der Epidemie verschont blieb. Er empfahl jedoch sofort nach Ausbruch der Cholera die Behandlung mit Kampfer und lehnte Aderlass und Trinkverbot ab. Mit dieser Therapie überlebten weit mehr Patienten als bei der konventionellen Methode.

Der Erfolg der homöopathischen Cholerabehandlung führte vielerorts dazu, dass die Homöopathie immer beliebter wurde.
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