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Qualifizierung und Professionalisierung der Pflege seit Ende der 1970er Jahre im zeitgeschichtlichen Kontext

Dr. phil. Simone Moses
Im Verlauf der 1970er Jahre wurden im Bereich der Krankenpflege zwei Problemfelder deutlich: Zum einen der schon seit dem Ende der 1950er Jahre bestehende Personalmangel, zum anderen die ungenügenden Qualifizierungsmöglichkeiten, die die Pflege darin hinderten, der Bedeutung, die ihr im Gesundheitswesen zukam, gerecht zu werden. Im Gegensatz zum beispielweise angelsächsischen Modell, das die Akademisierung der Pflege sehr viel früher umgesetzt hat, ist in der Bundesrepublik die dreijährige Ausbildung in der Krankenpflege nicht an Hochschulen angesiedelt, sondern an Fachschulen, die an Krankenhäuser angegliedert sind.
Einzelne Krankenschwestern, wie Ruth Schröck oder Antje Grauhan, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Möglichkeit einer Weiterbildung im Ausland ergriffen hatten, kämpften nach ihrer Rückkehr in die Bundesrepublik dafür, den Stellenwert der Krankenpflege durch eine Akademisierung voranzutreiben. Auch die Robert Bosch Stiftung beschäftigte sich seit dem Ende der 1970er Jahre mit dieser Problematik und nahm Mitte der 1980er Jahre die Pflege explizit in ihre Förderung auf. Einen ersten Höhepunkt erreichten die Aktivitäten der Robert Bosch Stiftung 1992 mit der Herausgabe der Denkschrift „Pflege braucht Eliten“, die gleichsam als Beginn eines zehn Jahre dauernden, erfolgreichen Schwerpunktprogramms der Stiftung gesehen werden kann, das unter anderem die Akademisierung der Pflege in Deutschland weitgehend vorangetrieben hat.
Im Projekt werden zum einen die Stiftungsaktivitäten im gesellschaftlichen und politischen Kontext analysiert, zum anderen sollen auch die übrigen Aktivitäten zur Qualifizierung der Pflege in Deutschland näher beleuchtet werden. Nicht zuletzt aufgrund der absehbaren demographischen Entwicklung kommen auf die Pflege neue Herausforderungen, Brüche und Zäsuren zu, in deren Zusammenhang sich eine Akademisierung der Pflege als richtiger Weg erweisen wird.