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Die Entwicklung und Bedeutung homöopathischer Laienvereine von 1870 bis in die Gegenwart

Das Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung besitzt wertvolle Bestände, die über die Tätigkeit homöopathischer Laienvereine in der Zeit seit 1870 bis in die Gegenwart Aufschluss geben können: vereinsbezogene Protokoll- und Kassenbücher, Mitgliederverzeichnisse, Jahresberichte, spezifische Zeitungsartikel. Weitere Quellen dieses Promotionsvorhabens (Bearbeiter: Daniel Walther) sind Zeit-zeugenaussagen und Erlebnisberichte. Daneben stellen externe, nicht direkt den Vereinen zugeschriebene Quellen wie Zeitschriftenartikel der „Homöopathischen Monatsblätter“, der „Leipziger Populären“ oder Artikel des „Medicinischen Correspondenzblatts des Württembergischen Ärztlichen Vereins“ eine weitere Mög-lichkeit dar, tieferen Einblick in die Strukturen der Vereins- und der übergeordneten Verbandstätigkeit zu erlangen.

Zentrale Fragen des Projekts sind einerseits, wie sich die Vereine im Zeitraum der Untersuchung entwickelten und wie sich der Einfluss der verschiedenen politischen Systeme auf die Vereinsarbeit auswirkte. Andererseits gilt es zu klären, welchen Einfluss die Vereine namentlich auf die Gesundheitspolitik hatten und haben und inwieweit die Laienvereine als Reaktion auf die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zunehmende Entmündigung des Patienten gewertet werden kann. Die Vereine boten und bieten teils noch heute ein vielfältiges Spektrum an gesundheitlicher Aufklärung, nicht nur im Bereich der Homöopathie. Gerade öffentliche Vorträge über Themen von allgemeinem Interesse, Vergünstigungen und Rabatte für Mitglieder etwa beim Besuch von Badeanstalten oder homöopathischen Ärzten, günstigeren oder in manchen Fällen sogar kostenlosen Zugang zu homöopathischen Medikamenten durch Unterhaltung einer Vereinsapotheke waren vielfältige Anziehungspunkte. Auch wurden von den Vereinen Bibliotheken angelegt, die neben allgemeinverständlicher Literatur über die Homöopathie auch andere Ratgeber in Sachen Gesundheit umfassten. Die Inanspruchnahme solcher Angebote konnten und können dazu beitragen, dass der Kranke durch medizinische Bildung und Aufklärung in gewisser Weise die Kontrolle über seinen eigenen Körper, seine Gesundheit und somit seine Mündigkeit zumindest teilweise zurück erlangt.

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