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Alltag und Gesundheit von 'Heimatvertriebenen' nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre

Im Rahmen dieses Promotionsprojektes werden Alltag und Gesundheit von 'Heimatvertriebenen' nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre erforscht (Bearbeiter: Patrick Sälzler). Regional beschränkt ist das Projekt hierbei auf die beiden Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Displaced Persons und Exilanten werden aus dem Forschungsprojekt ausgeklammert, Kriegsgefangene sind für die Arbeit nur relevant, wenn es sich bei ihnen gleichzeitig auch um Heimatvertriebene handelt.
Das Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, vor allem die gesundheitliche Situation von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre in drei Stadien zu erforschen:
  1. Flucht & Vertreibung / Verlust der Heimat: Wie ist es den Heimatvertriebenen bei Flucht und Vertreibung ergangen? Welchen gesundheitlichen Risikofaktoren und Extremsituationen waren Heimatvertriebene ausgesetzt? Welche potentiell traumatischen Erfahrungen verursachten Flucht und Vertreibung?
  2. Alltag in der Besatzungszone / Integrationsprozesse: Wie war der Gesundheitszustand von Heimatvertriebenen? Welche Bedeutung hatte Gesundheit im Spannungsfeld zwischen Erinnerungsverarbeitung, gesellschaftlichen Anforderungen, Alltag und Integrationsprozessen? Welche Krankheiten wurden den Neuankömmlingen in der Nachkriegszeit besonders häufig zugeschrieben?   Wie empfanden die Betroffenen selbst ihre medizinische Versorgung und gesellschaftliche Akzeptanz? Welche Hilfsangebote wurden institutionell zur Verfügung gestellt?
  3. Spätfolgen / Langzeitschäden: Welche Spätfolgen und Langzeitschäden entstanden bei den Betroffenen von Flucht und Vertreibung? Welche physischen und psychischen Krankheitsbilder gingen aus dem erlittenen Trauma hervor? Welche individuellen und gesellschaftlichen Formen des Umgangs lassen sich erkennen?

Dabei spielen die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen, sozialen Gruppen, Familien und Geschlechtern eine ebenso zentrale Rolle wie die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den beiden Besatzungszonen und zwischen städtischem Raum und ländlichem Raum. In diesem Forschungsprojekt wird methodisch ein Blick ‚von unten‘ gewählt, die Sicht der Betroffenen auf ihre persönliche Situation und die dazugehörigen institutionellen Rahmenbedingungen stehen im Mittelpunkt. Zu diesem Zweck werden zum einen Selbstzeugnisse von ,Heimatvertriebenen‘ analysiert und ausgewertet und durch die Auswertung von Quellen, die Aufschluss über die spezifischen kommunalen und regionalen Unterschiede geben, wie zum Beispiel Verwaltungsakten, ergänzt und kontextualisiert.