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Gesundheit und Krankheit in der Korrespondenz Hans Fuggers (1531 – 1598)

Im Zentrum des Promotionsvorhabens (Bearbeiterin Anne Phieler) steht die Person Hans Fugger aus der bekannten Handelsfamilie der Fugger. Als zweitgeborener Sohn übernahm er zwar nicht das operative Geschäft der Firma, diente ihr jedoch mit seiner Kontaktpflege. Rund 4.700 Briefe Hans Fuggers aus dem Zeitraum 1566 bis 1594 sind heute vor allem in Kopialbüchern im Familienarchiv in Dillingen erhalten; ein seltener Quellenkorpus für das 16. Jahrhundert. In seinen thematisch sehr umfangreichen Briefen, finden sich auch Spuren seines gesundheits- und krankheitsbezogenen Handelns. Ergänzend sollen die sogenannten ‚Fugger-Zeitungen‘, die überwiegend im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien lagern, auf eben diesen Aspekt geprüft werden. Dieser Quellenbestand bietet sich an, Fuggers Denken und Handeln über einen längeren Lebenszeitraum nachzuvollziehen.
Als Mitglied einer europaweit agierenden Kaufmannsfamilie standen Hans Fugger sowohl das Kapital als auch die Infrastruktur zur Verfügung, sich des gesamten medizinischen Marktes zu bedienen. Dazu stellt sich die Frage, welche Einstellungen er als medizinischer Laie zu den Themenkomplexen Krankheit und Gesundheit in seinen Briefen vermittelte. So bestellte er verschiedenste Heilmittel, besprach Rezepte und Therapien, tauschte sich über seinen und den Gesundheitszustand anderer aus. Dieser Austausch unterlag vermutlich nicht nur gesellschaftlich und kulturell geprägten Mustern. Auch die Öffentlichkeit des Mediums Brief soll deshalb in der Untersuchung berücksichtigt werden. Anders als bei Patientenbriefen stammten die Adressaten Fuggers aus unterschiedlichsten Schichten und Berufen, was sich auf die Krankheitskommunikation auswirkte. Aus den genannten Quellen erfahren wir etwas über die Sicht von unten, für die Roy Porter bereits in den 1980er Jahren plädierte und die inzwischen die Medizingeschichte erheblich erweiterte.

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