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Samuel Hahnemann Krankenjournal D19

1991 erschien der erste Band der neuen Reihe Samuel Hahnemann, Die Kranken-journale. Kritische Gesamtedition im Karl F. Haug Verlag (zunächst Heidelberg, später Stuttgart). Es handelte sich um das Krankenjournal D5, das von Helene Varady transkribiert worden ist und zuvor mit dem dazugehörigen Kommentar als Dissertationsdruck publiziert wurde. In der Folgezeit erschienen weitere Krankenjournale.  Außerdem kamen in dieser Reihe, die nach 2008 vom Verlag, der inzwischen den Eigentümer gewechselt hatte, nicht mehr fortgeführt wurde, noch zwei französischsprachige Krankenjournale mit deutscher Übersetzung heraus.
Nachdem auch von Seiten des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung die Entscheidung gefällt worden war, keine weiteren Transkriptionen mehr zu vergeben, blieb die Aufgabe, Transkriptionen, die sich zum damaligen Zeitpunkt noch in Bearbeitung befanden oder gerade abgeschlossen waren, herauszugeben. Das trifft auf das hier vorliegende Krankenjournal mit der Signatur D 19, das von Thorsten Spielmann bearbeitet worden ist und als Dissertation (zusammen mit einem Kommentar) 2004 an der Universität Zürich als medizinhistorische Dissertation eingereicht wurde. Aus unterschiedlichen Grün-den hat sich die Drucklegung verzögert.
Auch im Zeitalter digitaler Texte haben wir uns noch für eine gedruckte Fassung entschieden, um denjenigen, die bereits die Vorläuferbände erworben haben, ein weiteres Exemplar dieser Reihe zur Verfügung zu stellen, das im Layout weitgehend der ursprünglichen Editionsreihe entspricht.
Das D19 deckt einen Zeitraum (21.9.1819-5.2.1820) ab, der in der Hahnemann-Forschung immer wieder Beachtung gefunden hat, nämlich die Spätzeit seines Leipziger Aufenthaltes. Damals geriet er mit den Apothekern in Streit über das Dispensierrecht, der ihn schließlich dazu veranlasste, das Angebot des Herzogs von Anhalt-Köthen anzunehmen. In dieser Zeit sanken auch die Patientenzahlen, wie Katrin Schreiber gezeigt hat, was durchaus mit dem genannten Konflikt, der mit einer Urteilsverkündung im März 1820 einen formalen Abschluss fand, zusammenhängen könnte.  Dennoch hatte Hahnemann auch in diesem Zeitraum durchaus einflussreiche Patienten, wie z. B. die Familie des Leipziger Senators und Stadtrichters Dr. Johann Wilhelm Volkmann (1772-1856).  Der Professor für Katechetik an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, Friedrich Wilhelm Lindner (1779-1864) zählte ebenfalls dazu.
Der vorliegende Band bietet nicht nur Einblicke in die Heterogenität der Hahnemannschen Klientel, sondern erlaubt auch einen Blick in die Weiterentwicklung seiner homöopathischen Lehre. 1819 erschien die zweite Auflage seines Organon. Zwischen 1819 und 1821 veröffentlichte er die Teile 5 und 6 der ersten Auflage der Reinen Arzneimittelehre. Spätestens seit 1816 arbeitete Hahnemann mit Potenzen, die auch C30 überschreiten konnten. Auch benutzte Hahnemann damals schon Globuli.
Der kundige Leser wird durch die jetzt mögliche Lektüre dieser Originalquelle etliche neue Einsichten bekommen.


Robert Jütte                                                                   Stuttgart, im Sommer 2015