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Die Bedeutung diätetischer Affekt-Konzepte in Praktiken der „geistlichen Medizin“

Ziel des Postdoc-Vorhabens (Bearbeiter: PD Dr. Carlos Watzka) ist es, Bedeutung und Wirksamkeit von diätetischen Wissensbeständen zum Themenfeld der Affekte in den Praktiken der geistlichen Medizin katholischer Ausprägung in der Frühen Neuzeit untersuchen. Hierbei bilden der Zeitraum vom späten 16. bis zum späten 18. Jahrhundert den zeitlichen und Bayern sowie Österreich den räumlichen Rahmen. Unter „geistlicher Medizin“ wird dabei, in einem weiten Begriffsverständnis, die Gesamtheit jener Diskurse und Praktiken verstanden, die mit Bezug auf Phänomene von Gesundheit und Krankheit von Personen geistlichen Standes bzw. kirchlichen Institutionen getragen werden.
Obwohl die Geschichte der „alternativen“ bzw. „komplementären“ Medizin ebenso wie das Thema der vormodernen Diätetik in den letzten Jahrzehnten vermehrt wissenschaftliche Aufmerksamkeit gefunden haben, ist der Forschungsstand zu dieser spezifischen Fragestellung bislang noch gering.
Das Forschungsprojekt geht von folgenden Thesen aus: Neben genuin theologischen Konzepten – hier ist vor allem die Bedeutung der ‚Leidenschaften‘ in den Lehren über die ‚Todsünden‘ zu beachten – prägten auch die fachmedizinischen Lehren, weiter aber populäre – und nicht zuletzt ‚magische‘ – Vorstellungen die einschlägigen Wissensbestände und die damit verbundenen Praktiken des katholischen Klerus. Besondere praktische Bedeutung kam dem Umgang mit Affekten in intensiven Krisenerfahrungen zu, mit welchen Geistliche berufsbedingt regelmäßig konfrontiert waren, insbesondere der Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden sowie seelsorgliche Betreuung von Hinterbliebenen.
Diese Fragestellungen werden anhand ausgewählter Quellenbestände untersucht; zum einen sollen  ‚Seelentrostbücher‘, Andachtsbücher, Rezeptsammlungen u.ä. analysiert werden, also Handlungsanleitungen für und/oder von Geistlichen, zum anderen Quellen, in welchen konkret realisierte Handlungen einen (wenn auch nicht ‚objektiven‘) Niederschlag gefunden haben, etwa ‚Mirakelbücher‘, als schriftliche Darstellungen zu angenommenen, heilsamen göttlichen Wirken an ‚Gnadenorten‘, thematisch relevante Berichte und Korrespondenzen von Geistlichen bzw. von ihnen betreuten Personen, aber auch einschlägige Bildquellen und – soweit vorhanden – Akten kirchlicher und weltlicher Behörden.

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