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Medikamentenversuche an Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Heimerziehung in Niedersachsen zwischen 1945 und 1976

Im Auftrag des Landes Niedersachsen, vertreten durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, wurden Arzneimittelstudien der Nachkriegszeit in Niedersachsen an Heimkindern sowie Impfversuche an Säuglingen und Kleinkindern wissenschaftlich aufgearbeitet. Es sollte ebenso untersucht werden, ob auch Jugendliche unter den Patienten der Göttinger Psychochirurgie waren. Aufgrund der aktuellen Berichterstattung wurde zusätzlich der Frage nachgegangen, ob bei der Durchführung von Pneumenzephalographien eine medizinische Indikation zugrunde lag und ob vor dem Eingriff normgemäß aufgeklärt und das Einverständnis eingeholt wurde.
Neben der Auswertung der Ministerialakten und der Akten der Heimaufsicht wurde auch die Überlieferung der Heimträger untersucht. Die einschlägigen Fachbücher und -zeitschriften gehören ebenfalls zum Forschungsgegenstand. Ferner wurde geprüft, ob Einzelfallakten der Heime aus dem Untersuchungszeitraum existieren und der Forschung zugänglich sind.
Dass solche Arzneimittelstudien und Impfversuche auch in Niedersachsen durchgeführt wurden, steht außer Frage. Unbekannt waren aber der Umfang, die Planung (bspw. die Initiatoren), die konkrete Durchführung, d. h. ob dabei die zeitgenössischen ethischen, fachlichen und gesetzlichen Standards eingehalten wurden, sowie die Folgen dieser Versuche. Ebenso war von Interesse, inwieweit das Ministerium Kenntnis von den Versuchen hatte bzw. darin involviert war.
Da auf der Grundlage der gesichteten Akten einige der Forschungsfragen nicht oder nur teilweise beantwortet werden konnten und sich Einzelfallakten aus Heimen und (kinder-)psychiatrischen Einrichtungen als aussagekräftige Quelle erwiesen haben, hat das Niedersächsische Sozialministerium beschlossen, einen weiteren Forschungsauftrag zu erteilen. Ziel des auf zwölf Monate angelegten Projektes wird es sein, durch eine systematische Analyse von Einzelfallakten aus Heimen und (kinder-)psychiatrischen Einrichtungen Aussagen über die konkrete Durchführung von Arzneimittelstudien zu treffen. Solchermaßen sollen die bisher erzielten Ergebnisse vertieft werden.

Bearbeiterin: Dr. des. Christine Hartig