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Social history of nursing

Die Geschichte der Pflege als Handlungsfeld und die Geschichte des Pflegepersonals und seiner Institutionen findet bisher noch vergleichsweise wenig Beachtung. Aus diesem Grund erforscht das IGM die Geschichte der Pflege. Zurzeit gibt es folgende Forschungsprojekte:

Dr. Nina Grabe
Versorgung über 50-jähriger „Displaced Persons“/„heimatloser Ausländer“ nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland (1945 bis ca. 1975)
Das Ziel des Forschungsprojekts (Post-doc-Stipendium) ist es, die stationäre Versorgung betreuungsbedürftiger „Displaced Persons“ (DPs, ab 1951 als „heimatlose Ausländer“ bezeichnet) darzustellen, die aufgrund drohender Verfolgung in der Sowjetunion nach Kriegsende in Westdeutschland verblieben. Während der Großteil der DPs in seine Heimatländer zurückkehrte oder in Drittländer auswandern konnte, wurden die Besatzungsmächte und die deutschen Behörden mit zahlreichen kranken und alten Menschen konfrontiert, die einer dauerhaften stationären Versorgung bedurften. Aus diesem Grund erfolgte die Einrichtung spezieller DP-Altersheime. Diese wurden bis 1952 von der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) und anschließend – d. h. nach der Übergabe der DPs in deutsche Verwaltung – von der Inneren Mission und dem Caritasverband betreut. 
Im Rahmen des Forschungsprojekts konnten bereits archivalische Quellen und zeitgenössische Veröffentlichungen eingesehen werden. Anhand einiger Quellen ist es möglich, auch das Schicksal einzelner Heimbewohner näher zu beleuchten. Unter anderem befinden sich im Archiv der „von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“ viele Akten von Bewohnern des Altersheims der „Beckhofsiedlung für heimatlose Ausländer“. Im Fokus des Forschungsinteresses steht die soziale, pflegerische und seelsorgerische Betreuung der vorwiegend aus Osteuropa stammenden Heimbewohner, die ihre letzten Lebensjahre in einem fremden Land und zumeist weit weg von ihren Angehörigen verbringen mussten. Dabei stellen sich z. B. folgende Fragen: Wie gestaltete sich der vom Zusammenleben verschiedener Nationalitäten geprägte Heimalltag? Existierten Kontakte zur oftmals feindlich gesinnten deutschen Umwelt? Zudem soll erörtert werden, inwieweit es sich bei den in Deutschland verbleibenden DPs/“heimatlosen Ausländern“ um ehemalige Zwangsarbeiter oder aber um Kollaborateure und antikommunistisch eingestellte Flüchtlinge handelte.


Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach
Geschichte der Kinderkrankenpflege nach 1945
Da zur Geschichte der Kinderkrankenpflege mit Ausnahme der sogenannten Kinderfachabteilungen in der NS-Zeit insgesamt sehr wenige, für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch keine Forschungsarbeiten vorliegen, soll mit dem im Herbst 2017 begonnenen Projekt versucht werden, einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke zu leisten. Zum einen sollen Zäsuren, wie beispielsweise die Mitaufnahme von Müttern bzw. Eltern ab den 1970er Jahren oder der Eintritt männlicher Pfleger in das Feld, zum anderen Neuerungen, wie die Entwicklung der mobilen Kinderkrankenpflege, zum Dritten aber spezifische psychische Belastungen der Kinderkrankenpflege untersucht werden. Als Material dienen neben archivalischen und gedruckten Quellen auch Interviews mit ehemaligen Kinderkrankenschwestern und -pflegern, aber auch mit Müttern bzw. Eltern. Diese leitfadengestützten Interviews werden im Laufe des Jahres 2018 geführt. Zur Gewinnung von Zeitzeuginnen wurden in Zusammenarbeit mit dem „treffpunkt 50plus“ und dem Stadtarchiv Stuttgart drei Veranstaltungen durchgeführt, die eine Redakteurin der „Stuttgarter Zeitung“ begleitete. Erste Ergebnisse eines Teilprojekts wurden auf der Tagung „Marketplace, Power, Prestige: The Healthcare Professions’ Struggle for Recognition. Developments, Conflicts, and Areas of Tension among Healthcare Professions in the Twentieth Century“ vorgestellt.

Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach und Dr. Pierre Pfütsch
Geschichte der Krankenpflege und anderer nichtärztlicher Gesundheitsberufe nach 1945
Das im November 2016 mit dem dazu einberufenen Arbeitskreis diskutierte Buchprojekt konnte im Berichtsjahr abgeschlossen werden. Die geplante Publikation wird neben einer Einführung in den historischen Rahmen in zwei Teilen insgesamt 13 Beiträge von elf Autorinnen und Autoren umfassen. Der erste Teil ist der Geschichte der Krankenpflege nach 1945 gewidmet und behandelt die Themen Männer in der Krankenpflege, Psychiatriepflege, Lebens- und Arbeitsalltag evangelischer Krankenpflege, Gewerkschaftspolitik und Krankenpflege, Aus- und Weiterbildung in der Pflege, die quantitative Entwicklung des Pflegepersonals und Objekte als Quellen in der pflegehistorischen Forschung. Der zweite Teil umfasst die Entstehung bzw. Entwicklung des Berufsbildes anderer nichtärztlicher Berufe, wie der Altenpflegerin bzw. des Altenpflegers, der häuslichen Altenpflege, Hebammen, Rettungssanitäter und Diabetes-Beraterinnen. Das Lehrbuch ist im Frühjahr 2018 im Mabuse-Verlag erschienen.

Postdoc, Bearbeiter: Christoph Schwamm
Männer als Pflegekräfte in Deutschland ca. 1880–2010
In Krankenpflege, der Fachzeitschrift des Deutschen Berufsverbandes für Krankenpflege, erschienen bereits 1985 zwei Beiträge, die auch repräsentativ für die gegenwärtige Deutung von pflegenden Männern sind. Eine Autorin kritisierte unter Bezugnahme auf die Überrepräsentation von Männern in Schlüsselpositionen, „in welch kurzer Zeit einer der wenigen qualifizierten Frauenberufe zum ‚typischen Männer-beruf‘ avanciert“ sei. In einer Replik wurde entgegnet, Männer hätten schon immer gepflegt, seien bislang lediglich marginalisiert worden und hätten nun alles Recht auf beruflichen Erfolg.
Das vorliegende Forschungsprojekt soll die Akteursgruppe Männer in der Pflege  geschichtswissenschaftlich untersuchen, um Deutungen wie den oben geschilderten historische Tiefenschärfe zu verleihen. Dazu wird nach der Interaktion von geschlechtsbezogenen Machtdynamiken mit solchen der sozialen Herkunft gefragt. Hierzu wird es zunächst notwendig sein, die Anzahl der männlichen Pfleger zu ermitteln, sowohl absolut als auch relativ zu den Krankenschwestern. Weiter soll analysiert werden, an welchen Orten sie eingesetzt waren und welche Tätigkeiten sie dort ausübten. In einem späteren Schritt soll untersucht werden, wie die Pfleger im Alltag mit den anderen relevanten Akteursgruppen – Krankenschwestern, Patienten und Ärzten – interagierten.
Als Quellen dienen die Mitgliederzeitschriften der großen Gewerkschaftsgruppierungen, zeitgenössische Monographien und Presseartikel sowie offizielle Statistiken. Für die alltagshistorische Untersuchung sind verschiedene Ego-Dokumente und die Befragung von Zeitzeugen vorgesehen.


Dr. Kristina Matron
Offene Altenhilfe in Frankfurt am Main 1945-1982/83
Im Rahmen der Studie werden sowohl die Veränderungen in der Struktur pflegerischer Angebote als auch hauswirtschaftliche, kulturelle, sportliche, freizeitorientierte und gesellschaftspolitische Angebote untersucht. Berücksichtigt werden die planerische Ebene, die politischen Diskurse und die konkrete Umsetzung auf kommunaler Ebene. Im Einzelnen werden die Bereiche ambulante Pflege, Altenwohnen, Mahlzeitendienste, kulturelle Angebote, Erholungsaufenthalte, Altentagesstätten und Tagespflege im Zentrum stehen.
Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in der Beiheft-Reihe von Medizin, Gesellschaft und Geschichte erschienen.

Dr. phil. Nina Grabe
Dissertationsprojekt: Die stationäre Versorgung alter Menschen in der deutschen Nachkriegszeit (1945-1975) im Raum Hannover / südliches Niedersachsen
Das Dissertationsprojekt beinhaltet die Situation der stationären Altenpflege, d. h. der pflegerischen, medizinischen und sozialen Versorgung alter Menschen im südlichen Niedersachsen in der Zeit von 1945 bis ca. 1975. Anhand unterschiedlicher Quellen werden sowohl das Milieu der Einrichtungen als auch der Heimalltag sowie die Arbeitsbedingungen der, überwiegend konfessionellen, Pflegekräfte untersucht. Berücksichtigung findet dabei auch die Professionalisierung der Altenpflege.
Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in der Beiheft-Reihe von Medizin, Gesellschaft und Geschichte erschienen.

Institute for the History of Medicine of the Robert Bosch Foundation
Sylvelyn Hähner-Rombach
Straußweg 17
70184 Stuttgart
Tel.: 0711 / 46 08 41 69
Fax: 0711 / 46 08 41 81