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Samuel Hahnemann Krankenjournal D6

Krankenjournal D6 (1806-1807). Transkription und Kommentar
von Johanna Bußmann.
K.F. Haug-Verlag: Heidelberg 2002, 2 Bde. (nur geschlossen beziehbar), 509Seiten + 301Seiten.
ISBN 3-8304-7032-0, EUR 99,00


Mit Samuel Hahnemanns Krankenjournal D 6 soll die Gesamtedition der Krankenjournale, die die Robert Bosch Stiftung im Jahre 1991 nach einheitlichen Editionsrichtlinien mit dem Band D 5 begann, nun fortgesetzt werden. Nach ebendiesen Editionsrichtlinien sind in der Zwischenzeit die Krankenjournale D 2, D 3 und DF 5 und D 34 erschienen, etliche weitere Journale werden derzeit noch bearbeitet. Die ersten Anfänge einer Edition der Krankenjournale wurden bereits in den sechziger Jahren von Dr. Heinz Henne mit den Bänden 2, 3 und 4 unternommen - der Band 1 gilt als verschollen - , 1987 wurde von Helene Varady der 5. Band im Rahmen einer medizinhistorischen Dissertation nebst Kommentarband vorgelegt und später von Arnold Michalowski nach den neuen Editionsrichtlinien bearbeitet.

Beim hier erstmals bekanntgemachten Krankenjournal Nr.6 Hahnemanns handelt es sich - kodikologisch gesehen - um ein Buch mit einem braunen schweinsledernen Rücken, der auf dem Rückenschild beschriftet ist mit "Symptome April. 1806. 6." Der Buchblock umfaßte (einschließlich der Vorsätze) ursprünglich 191 Blätter, von denen jedoch 4 Blatt nachträglich wieder herausgeschnitten wurden. Die Heraustrennung erfolgte zwischen den Seiten 12/13 sowie den Seiten 262/263, jeweils sorgfältig mit glatter Schnittkante; auf den Seiten 294/295 und 366/III sind vom mehrfachen, ungenauen Ansetzen der Schere deutliche Scharten am etwa halbzentimeterhoch herausragenden Seitenstumpf zu sehen. Die Buchdeckel der Vorder- und Rückseite bestehen aus Pappe mit lederüberzogenen Ecken. Die Maße des Krankenjournals betragen 17 auf 20 cm, die Dicke mißt exakt 3,3cm bei geschlossenen Buchdeckeln. Bei der Schrift handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um Eintragungen Samuel Hahnemanns, die bei deutschsprachigen Texten in gotischer Kursive (Kurrent-Schrift), bei den lateinischen Symptomenaufzählungen und den Arzneimitteln in Antiqua vorliegen und mit Tinte geschrieben wurden. Die Schrifthöhe variiert erheblich und beträgt (bei Einbezug der Ober- und Unterlängen) 1-8 mm. Es werden häufig spezielle Symbole für Apothekerzeichen, Mengenangaben und Währungen verwendet. Diese sind in der hier vorliegenden Textausgabe aufgelöst, und zwar (unter Berücksichtigung der allgemeinen Editionsrichtlinien) in eckigen Klammern. Was die nicht von Hahnemann selber eingetragenen Passagen anbelangt, so erscheint auf S.211, S.226 und S.257 eine fremde Hand, deren Zugehörigkeit nicht eindeutig bestimmt werden konnte; ich neige zur (naheliegenden) Ansicht, daß es sich um Eintragungen von Hahnemanns Frau oder eines seiner Kinder handelt, wie man aus der Unkenntnis medizinischer Fachbegriffe und der Schwerfälligkeit in Duktus und Orthographie unschwer schließen kann.

Auf dem vorderen Spiegel, der von mir ebenso benannt wurde, erscheint in der linken oberen Ecke die Bandnumerierung "6." (= sechstes Krankenjournal), die von Hahnemann selbst eingetragen wurde, wie aus dem Vergleich mit der Seitennumerierung der Textseite "6." ersichtlich ist. In der Seitenmitte sind in deutschsprachiger Antiqua-Schönschrift zwei Hände vertreten, bei denen es sich wohl nur beim Besitzeintrag um die Hand Melanies handelt, die nachfolgenden drei Zeilen stammen von einem anderen Schreiber. Als erste eingebundene Seite - gegenüber der Makulatur der Buchdeckel-Innenseite - findet sich das von mir mit "I" bezifferte (vordere) Vorsatzblatt: mit fast vollständig durchgestrichenen Eintragungen in Hahnemanns Handschrift; der Inhalt läßt sich auf keinen Patienten beziehen, da kein Name genannt wird. Der Text endet etwa in Seitenmitte; am unteren Rand dieser Seite ist ein Papierstreifen von 12 mal 2,5 cm festgeklebt, der sich mit unregelmäßiger Konturierung entlang des Seitenunterrandes hinzieht und aus seinem Kontext herausgerissen wurde. Die Schrift auf diesem Papierstück stammt nicht von Hahnemann und ist bis auf die Wörter "oder" und "Pulver" unleserlich. Unter diesem Papierfetzen erscheint eine spätere Paginierung (s.u.). Die Rückseite dieser Seite "I" blieb leer, sie wurde von mir mit "II" beziffert und trägt den entsprechenden "vacat"-Vermerk. Gegenüber von S."II" folgt die erste Seite des eigentlichen Buchblocks, beginnend mit der Paginierung "1." in Hahnemanns Handschrift. Es folgen 366 Textseiten auf jeweils beidseitig beschriebenen, zum Krankenjournal vereinigten Folios, insgesamt 183 Blätter. Die herausgetrennten Blätter wurden also nicht mitgezählt. Die der Seite "366." gegenüberliegende Seite, "III" genannt, blieb leer ((vacat)), ebenso die nachfolgenden Seiten "IV-VI"; auf dem letzten eingebundenen (nachgesetzten) Blatt des Journals mit der Seitenzählung "VII" ((vacat)) und "VIII" steht gegenüber der leergebliebenen hinteren Makulatur (= Innenseite des hinteren Buchdeckels) auf der von mir "VIII" bezeichneten Verso-Seite noch ein Text. Dabei handelt es sich um eine letzte Patientenkonsultation des Patienten "Fritz" mit den Datumsangaben "8" und "9", jedoch ohne Monats- oder Jahresangabe. Danach folgt noch ein Rezept für die Zubereitung des Selterwassers nach Andreae und das Rezept für ein Mittel gegen Epilepsie, das Hahnemann von "Heine, Pfarrer in Effelder" erhielt, der es seinerseits von "Heine in Berlin" bekommen hatte. Nun folgt eine Aufzählung von Arzneien, die von verschiedenen Ärzten als Allheilmittel bei Kinderkrankheiten empfohlen wurden. Die untere Seitenhälfte blieb leer bis auf die beiden Zeilen "[Merc.] 20 [unciae] [uncia]ß [id est]" und "gereinigt 20 [unciae] 28 [Gran]", die in der rechten unteren Ecke notiert sind.

Die Seitenpaginierung wurde von Hahnemann immer in der oberen äußeren Ecke der Seite notiert (das heißt bei aufgeschlagener Handschrift auf jeder rechten Seite [recto] in der rechten oberen Ecke, auf jeder linken Seite [verso] in linken oberen Ecke), und zwar beginnend mit S."1." und dann fortlaufend bis S."366." ohne Berücksichtigung der herausgetrennten Seiten. In der Transkription wird die Paginierung hingegen jeweils rechts oben auf jeder Seite wiedergegeben; sofern sie Hahnemann mit einem nachfolgenden Punkt versehen hatte, wurde auch dieser übernommen; falls ohne Punkt, wurde auch in der Transkription auf den Punkt verzichtet. Eine weitere, spätere Paginierung von fremder Hand ist jeweils in der unteren Mitte jeder rechten Seite angebracht, beginnend mit "1" auf S."I" und dann unten auf jeder ungerade von Hahnemann paginierten Recto-Seite. Diese zweite Paginierung zählt ebenfalls fortlaufend mit 2, 3, 4, 5 u.s.w. durch; sie wird in der Transkription nicht wiedergegeben.

Am linken Rand vieler Seiten befindet sich ein freihändig ohne Zuhilfenahme eines Lineals gezogener senkrechter Strich, der folgende Randeintragungen vom eigentlichen Text trennt: Die Paginierung, das Tagesdatum, manchmal ein Ausrufzeichen ("!"), einen Fingerzeig ("NB"), oder - selten - ein Arzneimittel. Manchmal sind auch kurze Kommentare zu den entsprechenden Textzeilen bzw. spätere Nachträge am Rand vermerkt. Da der Randstrich, der den Rand vom Text trennt, aber nur inkonsequent (das heißt: gelegentlich, mit vielen Unterbrechungen) gezogen wurde, ist er in der Übertragung weggelassen.

In einigen wenigen Punkten wurden die allgemeinen Editionsrichtlinien geringfügig modifiziert, um das 6. Krankenjournal möglichst authentisch und unverfälscht wiedergeben zu können: Hierher gehört die bereits oben genannte Verwendung von eckigen Klammern, die nicht nur zur Kenntlichmachung von Zusätzen durch den Editor, sondern vor allem auch zur Markierung aller aufgelösten Textstellen, Apothekerzeichen und Ligaturen benutzt wurden. Desweiteren wurde zur Kennung von zu Markierungszwecken an- bzw. ausgestrichenen Textstellen kursive Schrift verwendet, z. B. beim angestrichenen (nur scheinbar ausgestrichenen) Fingerzeig "NB" - er steht für "nota bene" - am Seitenrand und ebenso im Text an den mit marginalem "NB" korrespondierenden Textstellen. Eine Wiedergabe als Tilgung würde den Text verfälschen, da es sich nicht um tilgendes Streichen des Wortes, sondern Kennung bzw. Kenntlichmachung im Text handelt. (Die Seitennumerierungen vieler Seiten des Krankenjournals, z. B. auch die von S.352, sind scheinbar entweder mit kleinen Strichlein durchkreuzt oder mehrfach durchpunktet, was den Gedanken nahelegen könnte, daß dies für Hahnemann eine Markierung wichtiger Seiten für eine spätere Überarbeitung gewesen sein könnte; es handelt sich indessen um Abklatsch bzw. um Streusandspuren, hervorgerufen von zu raschem Umblättern nach Anbringung der Seitennumerierung, so daß die Erscheinung in der Transkription nicht berücksichtigt wird.)

Bei Einfügungen über und unter der Zeile - gekennzeichnet durch "\ /" bzw. "/ \" - wurde dann ein etwas größerer Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Wörtern und Zeichen (Abbreviaturen, Symbolen) verwendet, wenn angezeigt werden sollte, daß in der Handschrift bei der Einfügung nochmals eine Einfügung von oben oder unten eingelassen ist. Auf die Verwendung doppelter Einlaßzeichen wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet.Am Ende der Textübertragung habe ich ein Patientenregister angefügt, das alle Varianten bei der Schreibung der Patientennamen berücksichtigt und die Seiten der Originalpaginierung angibt, auf denen der entsprechende Patient genannt wird. Bei der Aufzählung von Personen, die derselben Familie angehören, wurde in der Anordnung der Namen dem genealogischen Schema, bei dem zuerst der Vater, dann die Ehefrau und danach weitere Familienmitglieder (und darüber hinaus Bedienstete [Gesinde]) genannt werden, der Vorzug gegenüber dem alphabetischen Pragmatismus gegeben. In der Übertragung wurden Textstellen, deren optisches Erscheinungsbild nicht adäquat wiedergegeben werden konnte - z.B. Verbindungsstriche im Text, Kleckse, Zeichnungen Hahnemanns - durch Anmerkungen im Apparat verdeutlicht; ebenso wurden alle Begriffe und Symbole, die das Textverständnis erschweren oder unmöglich machen, in den Anmerkungen des kritischen Apparats erklärt. Weiterreichende Hinweise zum Verständnis des 6. Krankenjournals, der Behandlungsweise Hahnemanns im Jahr 1806/7, des Umfangs seiner Praxistätigkeit und seiner Lebenssituation zu dieser Zeit sind nebst übersichtlichen Tabellen Bestandteil des Kommentarteils, der sich an die Textedition des Journals D6 anschließt.

Ich hoffe, daß die Herausgabe dieses medizinhistorisch nicht uninteressanten und in vielen Passagen auch amüsant zu lesenden Textes ein - gewiß winziger, aber doch unübersehbarer - Mosaikstein zum besseren Verständnis der Entwicklung von Samuel Hahnemanns Behandlungsweise und Lehre in den frühen Jahren der Homöopathie sein kann.