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Sozial- und Ideengeschichte der Gehörlosenbewegung im Deutschen Kaiserreich

Ylva Söderfeldt

Diese Arbeit untersucht die Geschichte der Gehörlosenbewegung im Kontext der sozialen Lage der Gehörlosen und des Bildes von Gehörlosigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die übergreifende Frage ist, auf welcher sozialen und ideologischen Grundlage Gehörlose sich organisierten.

Die Quellen sind Zeitschriften der Gehörlosenvereine, Protokolle von Gehörlosenkongressen, Fachliteratur wie z. B. Bevölkerungs- und Medizinal-statistiken, pädagogische und medizinische Werke – sowie Archivalien über Gehörlosenvereine, von Institutionen für Gehörlose und von Einzelfallakten.

Basierend auf dem Selbstbild in der Gehörlosenpresse wird dargestellt, dass eine Elite von städtischen, gebildeten gehörlosen Männern es versuchte, sich als respektables, selbstständiges Kleinbürgertum zu etablieren. Dabei wollten sie einen Platz als rationale Teilnehmer der bürgerlichen Öffentlichkeit ergattern.

Dieses Bild wird demjenigen der Fachliteratur gegenübergestellt. Dort wurden die Gehörlosen als abhängige, ländliche Objekte für private und staatliche Unterstützung dargestellt. Statt dieses Bild in Frage zu stellen, hat die gehörlose Elite es akzeptiert, aber es auf andere als auf sich selbst projiziert. Dadurch versuchten sie, sich zu einer Position zu erheben, wo sie dem Stigma der Gehörlosigkeit entfliehen konnten.

Das Promotionsvorhaben wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin 2007 angefangen. Es erfolgte 2008 in Verbindung mit der Verleihung eines Promotionsstipendiums die Institutswechsel nach Stuttgart. Im Jahre 2010 hat die Bosch-Stiftung im Rahmen des Projektes einen Aufenthalt an der University of Iowa, Iowa City, USA, gefördert. Im Sommersemester 2011 konnte die fertige Dissertation an der Universität Stuttgart eingereicht werden und die erfolgreiche Doktorprüfung fand im November dieses Jahres statt.