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Quellen und Studien zur Homöopathiegeschichte
Band 16

Anne Nierade, Homöopathie in der DDR. Die Geschichte der Homöopathie in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR 1945 bis 1989.
KVC Verlag, Essen 2012.
ISBN 978-3-86864-017-5

Die Geschichte der Homöopathie in der DDR ist geprägt vom Engagement weniger Ärzte und Heilpraktiker, die um den Fortbestand dieser Heilweise kämpften. Als Heimat von Hahnemann, Hering und zur Lippe ist Sachsen das Geburtsland der Homöopathie, und bis zum Zweiten Weltkrieg gehörte Leipzig zu den Zentren der Homöopathie in Deutschland. Hier erschien 1832 die erste Ausgabe der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung (AHZ). 1833 wurde in dieser Stadt die erste „Homöopathische Heil- und Lehranstalt“ Deutschlands eröffnet. Ab Mitte der 1950er Jahre erfuhr die Homöopathie in der DDR zunehmende Kritik durch die medizinischen Fakultäten. Sie wurde als unwissenschaftlich und dem Okkultismus nahe eingestuft. Außer einer offiziellen negativen Stellungnahme des Fakultätsrates der Berliner Charité von 1958 gab es in der DDR aber keine Einschränkungen oder gar Verbote der Homöopathie. Zudem war durch vier pharmazeutische Unternehmen eine kontinuierliche Produktion homöopathischer Arzneimittel gewährleistet. Ab den 1980er Jahren wurde die Homöopathie als kostengünstige, gut erforschte „Placebotherapie“ betrachtet, die sich zudem in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreute. Heilpraktiker wurden, vor allem in den strukturärmeren ländlichen Gebieten, als Geheimtipps gehandelt. Die Haltung des Staates zur Homöopathie blieb ambivalent: Der Umgang mit den Vertretern der Homöopathie war willkürlich, aber sie konnten sich immer Freiräume bewahren. Anne Nierade hat in ihrer preisgekrönten Dissertation eine spannend zu lesende Arbeit vorgelegt, in der die Geschichte der Homöopathie in der DDR erstmals umfassend aufbereitet wird.