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Psychische Erkrankung von Männern in der Bundesrepublik Deutschland 1949–1990

Gegenstand des Promotionsprojekts ist die Geschichte von Männern und Jungen mit psychischen Erkrankungen aus der Perspektive der Männlichkeitenforschung (Bearbeiter: Christoph Schwamm M. A.). Phänomene wie problematisches Gesundheits- und Krankheitsverhalten, psychische Überforderung im Beruf und in der Familie, „Selbstmedikation“ mit Alkohol, Gewalttätigkeit oder Unterdiagnostizierung der Depression sind einige der Themen. Insbesondere geht es um die Frage nach den gesellschaftlichen Kontexten und Bedingungen des Entstehens und der Bewältigung von Erkrankungen. Die Analyse erfolgt auf drei Ebenen:

1. Sozialstruktur: Wie wirkten sich Faktoren wie Alter, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder Lebenssituation der Patienten auf die Erkrankung aus?
2. Männliches Gesundheits- und Krankheitsverhalten: Unter welchen Umständen kooperierten Männer bei der Behandlung, wann verweigerten sie sich? Welche Bewältigungsstrategien entwickelten sie im Umgang mit der Erkrankung?
3. Männliche Identitäten: Welche Rolle spielten Konzepte von Männlichkeit im Verhältnis zur Erkrankung und in den Bewältigungsstrategien der Patienten?

In diesen gesundheitsgeschichtlichen Fragen spiegelt sich außerdem die allgemeine Geschichte der letzten Jahrzehnte wider: Krieg und Vertreibung, Nachkriegszeit und sozialer Wandel bilden den historischen Kontext, in den die Erkrankungen eingebettet sind. Kernbestand der Quellen sind Krankenakten aus psychiatrischen und psychotherapeutischen Einrichtungen. In diesen Akten finden sich einerseits Selbstzeugnisse der Patienten wie Briefe, Lebensläufe und Zeichnungen, andererseits medizinische Dokumente wie die Krankengeschichte, Pflegeberichte und psychiatrische Gutachten. Der Kontext für die Analyse dieser Krankenakten wird durch weitere Quellen wie zeitgenössische Berichte aus dem Alltag sowie psychiatrische und psychotherapeutische Publikationen erschlossen.