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Isopathie und Homöopathie: Eine Wechselbeziehung zwischen Ablehnung und Integration

Was ist Isopathie? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist nicht einfach. Der Leipziger Tierarzt Johann Wilhelm Lux (1773-1849) führte als einer der ersten die homöopathischen Prinzipien bei der Behandlung von Tieren ein. Er veröffentlichte 1833 aber auch sein Werk „Die Isopathik der Contagionen“, mit dem er die Isopathie als ein der Homöopathie überlegenes Heilsystem vorstellte. Darin führte Lux den Gedanken, Krankheiten nach dem Prinzip von „Gleichem durch Gleiches“ (Aequalia Aequalibus curentur) zu behandeln, weiter aus, indem er zugleich formulierte: „Alle ansteckenden Krankheiten tragen in ihrem eigenen Ansteckungsstoffe das Mittel zu ihrer Heilung.“ Die Ideen von Lux stießen vor allem bei dem Hahnemann-Schüler Gustav Groß (1794-1847) auf Zustimmung. Mit der Überlegung, dass die Isopathie die „ideale Homöopathie“ sei, riefen jedoch beide große Kritik innerhalb der homöopathischen Ärzteschaft hervor und entfachten eine lebhafte Diskussion darüber, ob es eine wirkliche Behandlung nach dem Gleichheitsprinzip geben könne. Letztendlich wurden die Isopathie beziehungsweise vor allem deren Mittel der Homöopathie ein- oder untergeordnet. Dennoch flammte die Debatte um dieses Therapiemethode immer wieder auf. Heutzutage versteht man unter „Isopathie“ häufig verkürzend eine Behandlung, bei der Krankheitserreger zu Heilmittel verarbeitet werden und verbindet diese Idee vor allem mit dem Biologen Günter Enderlein (1872-1968).
Die Idee, "Gleiches mit Gleichem" zu heilen forderte also immer wieder Homöopathie und „Schulmedizin“ heraus. Die Isopathie hat sich demnach auch aus der Homöopathie heraus entwickelt und steht mit dieser in einem steten Wechselverhältnis. Wie sind jedoch die Entwicklung der Isopathie und ihr Verhältnis zur Homöopathie und „Schulmedizin“ im Einzelnen zu sehen? Welche Bedeutung und Auswirkung haben die Isopathie, die von ihr verwendeten Wirkstoffe und die durch ihre Hauptvertreter ausgelösten Debatten in der Heilkunde?
Die Beantwortung dieser Fragen soll in diesem Drittmittelprojekt vorgenommen werden. Als Hauptquellen dienen die Veröffentlichungen von Johann Wilhelm Lux sowie weiteren Vertretern dieses Heilprinzips, entsprechende Artikel in homöopathischen Zeitschriften, wie der AHZ oder der ZBV, und weitere Publikationen zur Isopathie aus der Zeit von 1830 bis um 1950.

Bearbeiterin Dr. phil. Marion Baschin
Die Arbeit ist in der Reihe Quellen- und Studien zur Homöopathiegeschichte erschienen.

Titelblatt der Schrift „Isopathik der Contagionen“ von Johann Lux