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Betriebsärztliches Handeln in der NS-Zeit im Spiegel der Standespresse

Mitte der 1930er Jahre wurde im nationalsozialistischen Deutschland das Konzept der „betriebszentrierten Gesundheitsführung“ entwickelt. Dieses zielte auf eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens ab, in dem Betriebsärzten eine wichtige Rolle zukam. Neben der Behandlung von Krankheiten sollten sie v. a. die gesundheitliche Kontrolle der Arbeiter und Angestellten übernehmen und dafür Sorge tragen, dass der Krankenstand so gering wie möglich war. Mit dem Beginn des Krieges gewann diese Aufgabe für das NS-Regime noch mehr an Bedeutung, da nur ein gesunder „Volkskörper“ Leistung erbringen konnte. Dieser Bedeutungszuwachs zeigt sich auch auf quantitativer Ebene. Während 1939 lediglich 971 Ärzte als Betriebsärzte arbeiteten, waren es 1944 ca. 8000, das entspricht einer Zunahme von über 780 Prozent. 
Obwohl die Betriebsärzte eine derartig zentrale Stellung im Nationalsozialismus einnahmen, ist ihre Geschichte bis jetzt nur in Teilen erforscht. Insbesondere fehlt es an Arbeiten über das konkrete Handeln der Betriebsärzte in dieser Zeit.
Das Forschungsvorhaben zum betriebsärztlichen Handeln in der NS-Zeit will den konkreten Praktiken der Betriebsärzte in der alltäglichen Berufsarbeit nachspüren. Eine Untersuchung der betriebsärztlichen Praxis kann das Verhältnis von Krieg und Gesundheitspolitik und die Nutzbarmachung der ärztlichen Profession für Kriegs- und privatwirtschaftliche Interessen zeigen.
Als ersten Einstieg in dieses Thema bietet sich die historische Analyse der zeitgenössischen Fachpublikationen zwischen 1933 und 1945 an, da in ihnen sowohl die damals standespolitischen als auch das medizinische Handeln betreffende Fragestellungen diskutiert wurden. In den Zeitschriften finden sich ebenfalls Inhalte über die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des betriebsärztlichen Handelns wieder, wodurch Freiräume und Grenzen ihrer Tätigkeit aufgezeigt werden können. In diesem Projekt werden über 100 Bände der wichtigsten Fachzeitschriften aus der Zeit von 1933 bis 1945 ausgewertet. Dazu zählen z. B. das Zentralblatt für Gewerbehygiene und Unfallverhütung, die Monatshefte für NS-Sozialpolitik oder auch das Reichsarbeitsblatt.

Bearbeiter: Pierre Pfütsch
Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen, die Veröffentlichung steht noch nicht fest.

Titelseite Deutsches Ärzteblatt 67 Nr. 20 (1937), S. 485.