10 Jahre Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin am RBK
Mitteilung
Herzlichen Glückwunsch!
10 Jahre Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin am RBK
„Dieser Kurs ist Gold wert! Mit ihm bin ich bisher sehr gut durch die Chemotherapie gekommen. Wer hätte gedacht, dass das Riechen an einem ganz simplen Zitronen-Aroma-Stick tatsächlich gegen Übelkeit hilft? Oder Lavendel gegen Schlafstörungen?“, berichtet eine Teilnehmerin des Kompaktprogramms, das am Robert Bosch Krankenhaus (RBK) seit nunmehr zehn Jahren angeboten wird.
Mehr als 500.000 Krebsdiagnosen werden jährlich neu gestellt. Für die Betroffenen stellt sich damit das Leben auf den Kopf. Viele solcher Erkrankungen sind mittlerweile gut behandelbar, wenngleich die Therapien oft starke Nebenwirkungen haben. Der Wunsch nach einer erfolgreichen Behandlung zeigt sich auch darin, dass laut der Deutschen Krebshilfe 70 % der Betroffenen komplementäre Anwendungen nutzen oder nutzen möchten. Zugleich gibt es häufig die Sorge, dies gegenüber den behandelnden Ärzt:innen zu kommunizieren. Auf dieser Basis entwickelte sich bereits in den 1990er Jahren in den Vereinigten Staaten der Ansatz der Integrativen Onkologie. Das Ziel der Integrativen Medizin im Allgemeinen ist, die Verfahren der naturwissenschaftlich orientierten Medizin mit wissenschaftlich begründeter Naturheilkunde und anderen evidenzbasierten Heilverfahren zu verbinden. Insbesondere in der Krebstherapie stehen dabei die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt.
Als das Robert Bosch Krankenhaus 1940 eröffnet wurde
Als das Robert Bosch Krankenhaus 1940 eröffnet wurde, gab es bereits den Auftrag „den Blick stets frei zu halten für alle aus anderen Heilmethoden sich bietenden aussichtreichen Heilmöglichkeiten.“ Der Stifter Robert Bosch (1861-1942) selbst betonte in seinen Richtlinien, dass „soweit sich neue Heilweisen für die Behandlung im Krankenhaus eignen, diese in dem Haus eingeführt werden“ sollten. Damit kann man den schwäbischen Industriellen als frühen Vorsprecher einer Integrativen Medizin verstehen.
Seit seiner Gründung ist das RBK nicht nur an den heutigen Standort am Burgholzhhof umgezogen, sondern hat sich über die Jahrzehnte hinweg immer wieder den Herausforderungen des Gesundheitswesens angepasst und durch neue Behandlungskonzepte auf die Bedürfnisse der Patient:innen reagiert. Im Jahr 2011 wurde mit der Einrichtung eines Comprehensive Cancer Centers begonnen. Neben dem interdisziplinären Arbeiten in Tumorboards, halfen eine ganzheitliche Beratung der Betroffenen durch weitere Sprechstunden und psychoonkologische Betreuung die Behandlungschancen zu erhöhen.

Der Eingangsbereich der Abteilung 2016 (Stuttgarter Zeitung, Lichtgut Max Kovalenko)
Der Tradition des Stifters verpflichtet und dem Grundgedanken einer Integrativen Onkologie folgend, regte die Gesellschafterversammlung der Robert Bosch Stiftung an, bei der Etablierung des Krebszentrums auch komplementärmedizinische Verfahren zu prüfen und einzubeziehen. Daher wurde 2015 mit dem Aufbau einer Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin (NIM) begonnen. Unterstützung erhielt das RBK von Prof. Dr. Gustav Dobos, der ab 1999 an den Kliniken Essen-Mitte ein ähnliches Angebot als Modelleinrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen etabliert hatte. Die Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin am RBK kann damit seit Dezember 2025 ihr 10-jähriges Bestehen feiern.
In einem ersten Schritt wurde mit dem „Essener Modell“ als Vorbild ein Angebot für zehn Personen, stationären Krebspatient:innen der Hämatologie und Gynäkologie, geschaffen. Das elf Wochen dauernde Programm umfasste Achtsamkeitsmeditation, Yoga, Tai Chi, Chi Gong, Akupunktur, Massagen sowie Wickel, Ernährungsberatung und Bewegungsangebote. Die Maßnahmen zielten darauf ab, die starken Nebenwirkungen der konventionellen Behandlung zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Das Team um den Ordnungstherapeut Ralf Reißmann, der direkt von Essen an das RBK wechselte, wuchs in den nachfolgenden Jahren. Neben wissenschaftlich geprüften Anwendungen aus der Naturheilkunde war die Mind-Body-Medizin weiterer Schwerpunkt des Programms. In der Aufbauphase wurden etwa 160 Betroffene stationär begleitend und vier Gruppen im Kompaktprogramm betreut. Im Januar 2017 übernahm Dr. Marcela Winkler als Leitende Ärztin die Abteilung NIM und brachte ihre Expertise im Bereich Akupressur in das Programm ein. Heute arbeiten 18 Personen interdisziplinär in der Abteilung zusammen. Die Angebote wurden auch auf die Bereiche Integrative Schmerztherapie sowie Gastroenterologie im Zusammenhang mit chronischen Darmerkrankungen ausgeweitet. Daneben ist die Abteilung auch an der Durchführung von Studien beteiligt, beispielsweise zur Anwendung von Akupunktur bei Juckreiz während der Hämodialyse oder den Einfluss von integrativ-onkologischen Behandlungsprogrammen auf die Therapieresponse bei Brustkrebspatientinnen. Insgesamt kommt das Angebot den Wünschen vieler Patient:innen entgegen und trägt so wesentlich zur Verhinderung von Therapieabbrüchen bei bzw. ermöglicht den Betroffenen auch selbst, mehr zu ihrer Genesung bzw. dem Umgang mit den Nebenwirkungen beizutragen.

Konzept der Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin. Aus: Dr. Marcela Winkler: Integrative Onkologie (Vortragspräsentation Pflegekongress Wien 2018)
Aus dem einstmals „zarten Pflänzchen“, wie sich seinerzeit der Geschäftsführer des RBK äußerte, ist mittlerweile eine Abteilung geworden, die im Laufe der Jahre nicht nur das Angebot erweitert hat, sondern deren begleitende Therapien immer stärkeren Zuspruch erfahren. 2017 waren knapp 200 Betroffene stationär und mehr als 400 ambulant behandelt worden. Bereits ein Jahr später hatten sich die Zahlen für den stationären Bereich mehr als verdoppelt. Ebenso stieg die Anzahl ambulant betreuter Personen im Laufe der Jahre auf über 600. Die Betreuung wurde auch auf die onkologische Tagesklinik ausgeweitet. Während der Corona-Pandemie konnten die meisten ambulanten Leistungen online durchgeführt werden. Insgesamt wird das integrative Konzept von mehr als 60 % der onkologischen Patient:innen angenommen. Zuletzt lag die Anzahl der stationär betreuten Betroffenen bei über 600. Die NIM arbeitet außerdem im Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin und Gesundheit eng mit der Professur zur Erforschung komplementärmedizinischer Verfahren um Prof. Dr. Holger Cramer zusammen, um die Wirksamkeit und Sicherheit integrativer Therapieansätze zu untersuchen. Die Ergebnisse fließen in die aktuelle klinische Praxis ein und tragen so zu einer weiteren Verbesserung der medizinischen Versorgung bei.
Die Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin feiert ihr Jubiläum am 2. Oktober 2026 mit einer Veranstaltung. Nähere Informationen finden Sie hier: https://www.rbk.de/aktuelles/veranstaltungen/detailseite/10-jahre-naturheilkunde-und-integrative-medizin. Wir gratulieren herzlich!