50. Anniversary of the Institute of Clinical Pharmacology
Wenn das Institut für Klinische Pharmakologie (IKP) in diesem Jahr sein 50. Jubiläum mit einem Symposium feiert, darf nicht vergessen werden, dass seine Gründung eng mit den Überlegungen um einen Neubau des Robert Bosch Krankenhauses (RBK) zusammenhängt.
Nachdem das alte RBK zu klein geworden war und am bisherigen Standort am Pragsattel nicht mehr erweitert werden konnte, plante die zu dieser Zeit gerade erst gegründete Robert Bosch Stiftung in den 1960er Jahren einen Neubau. Damit verbunden war nicht nur die Frage, wie ein modernes Krankenhaus aufgestellt sein sollte, sondern auch diejenige, wie die vom Gründer Robert Bosch (1861-1942) gewünschte Forschung am Krankenhaus gestaltet werden sollte.
So gab es bereits seit 1967 ein Medizinisch-Biologisches Institut, in dem unabhängig von den täglichen Anforderungen des Krankenhauses experimentelle Studien betrieben werden sollten. Diese Möglichkeit sollte deutlich ausgebaut und die Forschung strukturierter gestaltet werden. So reifte die Idee, am RBK ein Institut einzurichten, das sich auf die Untersuchung der Wirkungsweise von Arzneien am Menschen konzentrieren sollte. Dieses Feld der so genannten "klinischen Pharmakologie" war um 1970 erst im Entstehen begriffen. Insbesondere Boschs älteste Tochter Dr. Margarete Fischer-Bosch (1888-1972) zeigte großes Interesse an der Gründung einer solchen Einrichtung, die dazu beitragen sollte, die bestehende Lücke zwischen der Erforschung von Heilmitteln im Tierversuch und der praktischen Anwendung und Erprobung am Krankenbett zu schließen. Beraten wurde sie dabei vom damaligen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft und Nobelpreisträger für Chemie Prof. Dr. Adolf Butenandt (1903-1995). Fischer-Bosch stellte 1969 eine großzügige Spende von drei Millionen Mark zur Verfügung, um die Ausstattung eines solchen Instituts sicherzustellen. In der Vereinbarung zwischen Fischer-Bosch und der Robert Bosch Stiftung wurde als Zweck des zu gründenden IKP bestimmt, "die Arzneimittelwirkung am Menschen mit modernen wissenschaftlichen Methoden zu überwachen", wobei ein Augenmerk auf natürliche Arzneimittel gelegt werden sollte, "besonders soweit sie von der Schulmedizin und der Arzneimittelindustrie nicht genügend berücksichtigt wurden".
Ende Februar 1970 ließ man in der FAZ und der Zeit die Stellenanzeige für den künftigen Leiter des IKP drucken (Bild 1). Ein Kuratorium begleitete die Stellenbesetzung und den Aufbau der Einrichtung, wobei sich die die Besetzung verzögerte. Im Januar 1972 verstarb Margarete Fischer-Bosch. Bereits zuvor war beschlossen worden, das Institut in Anerkennung ihres Einsatzes nach ihr zu benennen. Mit der Eröffnung des RBK am neuen Standort trat der erste Leiter PD Dr. Peter Bieck 1973 offiziell seinen Dienst an. Vorerst hatte er einen weiteren Mitarbeiter und erst im Jahr darauf konnte das IKP seine Tätigkeit voll aufnehmen. Schwerpunkte waren zunächst klinische Pharmakokinetik sowie die Pharmakologie der Prostaglandine und parendokrine Syndrome. Mit dem Amtsantritt von Prof. Dr. Michel Eichelbaum 1985 wurden die Forschungsschwerpunkte umstrukturiert und das Gebiet des Arzneistoffwechsels in den Mittelpunkt gerückt.
Bereits bei seinem 20. Geburtstag konnten die nunmehr 36 Mitarbeitenden große Erfolge verbuchen und entscheidende Beiträge zur Arzneimittelforschung wie einer individuellen Therapie erarbeiten (Bild 2). 1995 erhielt das Institut eine bauliche Erweiterung und konnte so die Kooperation mit dem RBK vertiefen. Gemeinsame Forschungslabore wurden dazu genutzt, um klinisch relevante Fragestellungen in Projektgruppen zu bearbeiten. Außerdem wurde eine Kooperation mit der Universität Tübingen geschlossen. Die Forschung fokussierte auf die Arzneimitteltherapie bei alten Menschen, die medikamentöse Schmerztherapie sowie Arzneistoffwechsel und -wirkung in der onkologischen Therapie. 2007 übernahm Prof. Dr. Matthias Schwab die Leitung des Instituts. Konsequent wurden die Schwerpunkte in der Folge auf eine personalisierte Medizin zum Nutzen des Patienten vor allem in der Onkologie ausgerichtet.
Seit seiner Gründung hat sich das IKP zu einer international renommierten Institution entwickelt, die sich nun im Gebiet der Pharmakogenomik sowie der personalisierten Medizin auszeichnet.
Wir gratulieren dem IKP ganz herzlich und freuen uns mit dem Team über die großartigen Forschungsleistungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Einladung und Programm zum 20. Jubiläum des IKP 1993 (Quelle: RBSG-Archiv 1004-4)