Research projects funded by other sources - Medical pluralism

Wie weit haben sich deutsche Homöopathen und ihr Berufsverband dem NS-Regime angepasst?

Ab 1933 wurde seitens der nationalsozialistischen Machthaber die »Neue Deutsche Heilkunde« als Konzept der Alternativmedizin entwickelt. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte war dabei ein wichtiger Akteur. Kollegen, die gegen die Nazis opponierten, wurden aus den Reihen des »Zentralvereins« ausgestoßen oder zumindest nicht unterstützt. Die überwiegende Mehrheit der homöopathischen Ärzte passte sich den ideologischen und medizinischen Vorgaben des NS-Regimes an. Dennoch erreichte der »Zentralverein« im Gegenzug keine allgemeine Anerkennung für die Homöopathie in der offiziellen NS-Politik.
Florian G. Mildenberger weist in seiner Studie nach, dass der Verband und seine Mitglieder nicht, wie in der Vergangenheit oft behauptet, zu den Medizinern gehörten, die an den in Konzentrationslagern begangenen verbrecherischen Menschenversuchen beteiligt waren. Diese Verbrechen wurden ebenso wie das Interesse führender Nazis wie Heinrich Himmler oder Rudolf Heß an naturheilkundlichen Zusammenhängen häufig aus Unkenntnis von Zeitzeugen und Historikern mit der Homöopathie in Verbindung gebracht.

Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen und eine Publikation liegt vor.
Bearbeiter: Prof. Dr. phil. Florian Mildenberger

Isopathie und Homöopathie: Eine Wechselbeziehung zwischen Ablehnung und Integration
Titelblatt der Schrift „Isopathik der Contagionen“ von Johann Lux

Bearbeiterin: Dr. phil. Marion Baschin

Was ist Isopathie? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist nicht einfach. Der Leipziger Tierarzt Johann Wilhelm Lux (1773-1849) führte als einer der ersten die homöopathischen Prinzipien bei der Behandlung von Tieren ein. Er veröffentlichte 1833 aber auch sein Werk „Die Isopathik der Contagionen“, mit dem er die Isopathie als ein der Homöopathie überlegenes Heilsystem vorstellte. Darin führte Lux den Gedanken, Krankheiten nach dem Prinzip von „Gleichem durch Gleiches“ (Aequalia Aequalibus curentur) zu behandeln, weiter aus, indem er zugleich formulierte: „Alle ansteckenden Krankheiten tragen in ihrem eigenen Ansteckungsstoffe das Mittel zu ihrer Heilung.“ Die Ideen von Lux stießen vor allem bei dem Hahnemann-Schüler Gustav Groß (1794-1847) auf Zustimmung. Mit der Überlegung, dass die Isopathie die „ideale Homöopathie“ sei, riefen jedoch beide große Kritik innerhalb der homöopathischen Ärzteschaft hervor und entfachten eine lebhafte Diskussion darüber, ob es eine wirkliche Behandlung nach dem Gleichheitsprinzip geben könne. Letztendlich wurden die Isopathie beziehungsweise vor allem deren Mittel der Homöopathie ein- oder untergeordnet. Dennoch flammte die Debatte um dieses Therapiemethode immer wieder auf. Heutzutage versteht man unter „Isopathie“ häufig verkürzend eine Behandlung, bei der Krankheitserreger zu Heilmittel verarbeitet werden und verbindet diese Idee vor allem mit dem Biologen Günter Enderlein (1872-1968).
Die Idee, "Gleiches mit Gleichem" zu heilen forderte also immer wieder Homöopathie und „Schulmedizin“ heraus. Die Isopathie hat sich demnach auch aus der Homöopathie heraus entwickelt und steht mit dieser in einem steten Wechselverhältnis. Wie sind jedoch die Entwicklung der Isopathie und ihr Verhältnis zur Homöopathie und „Schulmedizin“ im Einzelnen zu sehen? Welche Bedeutung und Auswirkung haben die Isopathie, die von ihr verwendeten Wirkstoffe und die durch ihre Hauptvertreter ausgelösten Debatten in der Heilkunde?
Die Beantwortung dieser Fragen soll in diesem Drittmittelprojekt vorgenommen werden. Als Hauptquellen dienen die Veröffentlichungen von Johann Wilhelm Lux sowie weiteren Vertretern dieses Heilprinzips, entsprechende Artikel in homöopathischen Zeitschriften, wie der AHZ oder der ZBV, und weitere Publikationen zur Isopathie aus der Zeit von 1830 bis um 1950.

Die Arbeit ist in der Reihe Quellen- und Studien zur Homöopathiegeschichte erschienen.

Isopathie und Homöopathie: Eine Wechselbeziehung zwischen Ablehnung und Integration

Geschichte der Selbstmedikation mit Schüßler-Salzen

Bearbeiterin: Dr. phil. Marion Baschin

Im Jahr 1874 veröffentlichte Wilhelm Heinrich Schüßler erstmals seine „Abgekürzte Therapie“ als eigene Schrift. Vor seinem Tod 1898 redigierte er die 25. Auflage des Werkes. Die von Schüßler begründete Biochemie und die nach ihm benannten „Schüßler-Salze“ erfreuen sich auch heute einer großen Beliebtheit. Insbesondere bei leichteren Beschwerden werden die Mittel im Rahmen der Selbstmedikation verwendet.
Heute sind die „Schüßler-Salze“ zwar nicht rezeptpflichtig, aber man kann sie nur in Apotheken erwerben. Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein konnten die biochemischen Mittel aber auch durch Vereine abgegeben werden, da deren Status als Arzneimittel noch nicht abschließend geklärt war. Ähnlich wie in der Homöopathie war auch für die Biochemie nach Schüßler ein heftiger Kampf darum entstanden, wer dazu berechtigt war, die Mittel herzustellen und abzugeben.
Das Projekt fokussiert in erster Linie auf die „Schüßler-Salze“ an sich. Gerade in der Frühzeit der biochemischen Bewegung soll die Rolle der Mittel in Therapie und Selbstbehandlung untersucht werden. Das Interesse gilt daher neben dem Begründer der Heilmethode auch biochemischen Apotheken und Vereinen. Da Unterlagen zu Schüßler und seiner Biochemie kaum in einer Bibliothek oder einem Archiv systematisch gesammelt wurden, besteht ein wichtiger Teil des Projekts zudem in der Suche nach geeigneten Quellen und aussagekräftigen Dokumenten.

Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen.

Wilhelm Schüßler und seine biochemischen Arzneimittel

Bearbeiterin: Dr. phil. Marion Baschin

Im Jahr 1874 veröffentlichte Wilhelm Heinrich Schüßler erstmals seine „Abgekürzte Therapie“ als eigene Schrift. Vor seinem Tod 1898 redigierte er die 25. Auflage des Werkes. Die von Schüßler begründete Biochemie und die nach ihm benannten „Schüßler-Salze“ erfreuen sich auch heute einer großen Beliebtheit.
Das Projekt knüpft an die 2015 abgeschlossene Arbeit zur Selbstmedikation mit Schüßler-Salzen an. Die umfangreichen Materialien, die aus zahlreichen Archiven und Bibliotheken, unter anderem in Oldenburg und Leipzig, zusammengetragen wurden, sollen nun für eine Publikation ausgewertet und aufbereitet werden. Im Mittelpunkt stehen die von Schüßler als Medikamente verwendeten zwölf Salze, besonders deren Herstellung, Verkauf und Verbreitung.
Während der Entwicklung seiner biochemischen Heilmethode verwendete Schüßler unterschiedliche Potenzen und machte bezüglich der Einnahme verschiedene Aussagen. Seit 1892 empfahl er ausschließlich die heute zum Standard gewordenen Potenzen D 6 und D 12. Die Bezugsquellen Schüßlers – Albert Marggraf in Leipzig und die Apotheken Zahn und Seeger in Stuttgart sowie Virgil Mayer in Bad Cannstatt - und weitere Hersteller der „Schüßler-Salze“ werden ebenso betrachtet. Dabei konkurrierten 1905 etwa sieben große Apotheken um einen erfolgreichen Absatz der freiverkäuflichen Arzneimittel. Zahlreiche kleinere Apotheken und Fabriken entstanden ab 1920. Diese und weitere Ergebnisse sollen in der für 2019 geplanten Publikation dargestellt werden.